Mijnssen:„Journalismus schreibt sich mehr Bedeutung zu, als er wirklich innehat“

Zum Abschluss des 13. Europäischen Mediengipfels in Lech diskutierte am Samstag ein hochranging besetztes Journalisten-Panel.

Von Franziska Schwarz und Nikita Vettori

Moderator Markus Spillmann (Schweizer Medienmanager und Ex-NZZ-Chefredakteur) eröffnete die Runde mit Tanit Koch (n-tv-Geschäftsführerin), Michael Linhart (österreichischer Botschafter in Paris), Ivo Mijnssen (NZZ Korrespondent in Wien) und Valerie Zwaslavski (Schweizer freie Journalistin in Berlin) provokant mit: „Journalismus durchlebt eine Krise.» Pseudojournalismus verbreite sich immer mehr, die Glaubwürdigkeit sei bedroht. Allerdings: Die Medienbranche sei dabei nicht ganz schuldlos. 

Emotionen und Fakten

Die Emotionalisierung war für Koch ein wichtiger Aspekt. Eine rein objektive und sachliche Berichterstattung allein laufe Gefahr, langweilig zu werden. „Aber die Fakten müssen stimmen“ , betonte Zwaslavski. Man solle trotzdem nicht aus den Augen verlieren, wie man die Menschen am besten erreiche. „Die Aktivistin in mir“ könne Zwaslavski nicht vollkommen abstellen. Distanz müsse aber immer gewährleistet sein. 

Bedeutung und Ideal

„Journalismus schreibt sich mehr Bedeutung zu, als er wirklich innehat“ , fand Mijnssen. Er ergänzte, dass man „heute von einem Ideal des Journalismus redet, das es gar nie gab.“  Journalisten würden sich gerne selbst überschätzen. Zwaslavski meinte, dass Journalismus „nicht zum Beruf, sondern zur Einstellung“ werden solle. Der einzige Nicht-Journalist auf dem Podium, Botschafter Linhart, strich das Verantwortungsbewusstsein als zentralen Aspekt des Journalismus hervor.

Vertrauen?

Und was tun gegen Vertrauensverlust? Mijnssen diagnostizierte: „Das Bedürfnis für Information und nach unaufgeregter Information ist heute groß.“ Der Journalismus biete dies auch tatsächlich. Zwaslavski konzentrierte sich auf Ausgewogenheit: „Beide Seiten anhören, bevor man eine Einschätzung vornimmt.“  Koch ging noch einen Schritt weiter: Man müsse offen für alle Ergebnisse sein und sich „Thesen kaputt machen lassen.“ Aufmunterndes Fazit von Botschafter Linhart: „Journalismus braucht man.“ 

 

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