Klenk: „Wir sind wie Eichhörnchen, die die Nüsse der Fakten sammeln“

Der Falter Chefredakteur sprach am Mediengipfel in St. Christoph am Arlberg über Investigativjournalismus in Österreich.

Von Viktoria Gstir, Soraya Pechtl und Julia Pabst

Das vergangene Jahr lieferte viel Stoff für investigativen Journalismus: BVT-, Ibiza- und Casino-Affäre, um nur einige zu nennen, wollten erzählt werden. Damit gab es auch für Falter-Chefredakteur Florian Klenk mehr als genug Arbeit. Wie eine Geschichte zustande komme, unterscheide sich stark, erklärte er am Mediengipfel. 

Im Fall Ibiza sei der Falter von Spiegel und Süddeutsche-Zeitung eingeladen worden, das Video anzuschauen. Das Video, das das Treffen zwischen dem ehemalige FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache, dem ehemaligen FPÖ-Wien-Chef Johann Gudenus und einer vermeintlichen russischen Oligarchin dokumentierte.  Bei der aktuellen Causa um einen steirischen Vize-Polizeidirektor, der einen jungen Beamten zusammenstauchte, weil er ihn nicht gemäß begrüßt und erkannt hatte, habe Klenk das Tonband persönlich zugespielt bekommen. Der Zusatz des Absenders: Kein Fake. Solchen Versicherungen könne man selbstverständlich nicht trauen. Er hätte zuerst gedacht, er säße dem Ö3-Mikromann auf, sagte Klenk. Die Recherche begann. 

Innerhalb von einer Stunde checkte Klenk allgemeine Fakten. Gab es den genannten Beamten? Stand er in Verbindung zum Innenministerium? Klenk fand ihn auf Facebook. Er hatte die Seite des Innenministeriums gelikt. Nun rief der Falter-Chef den Polizeibeamten an. Dieser legte bei der Konfrontation mit den Vorwürfen sofort auf. Anschließend kontaktierte Klenk die Pressestelle der Polizei. Die Echtheit der Aufnahme wurde bestätigt. „Eigentlich ganz einfach“, kommentierte Klenk sein Vorgehen. 

Veröffentlichungen von sensiblen Daten

Was veröffentlicht werde, hänge von einem wesentlichen Faktor ab: dem öffentlichen Interesse. Müsse die Öffentlichkeit wirklich von der Information erfahren? Rein private Diskussionen seien beispielsweise nicht relevant genug, um veröffentlicht zu werden. Ginge es hingegen um Missstände, müsse die Gesellschaft davon wissen.

Informanten würden eine Agenda verfolgen, wenn sie Daten leaken würden. „Wir werden dauernd instrumentalisiert. Jeder der uns Infos gibt, will uns zu seinem Instrument machen“, sagte Klenk. Um eine Beeinflussung zu vermeiden, sei es wichtig, dass ein Vier- beziehungsweise Sechsaugenprinzip herrsche, sodass Redakteure Informanten nicht zu nahe kommen würden. 

Pressefreiheit 

In der BVT-Affäre wollte vor kurzem ein Verfassungsschützer das Handy der Presse-Redakteurin Anna Thalhammer einziehen. Für Klenk sei die Pressefreiheit in Österreich deswegen aber nicht notwendigerweise gefährdet: „Die Staatsanwaltschaft hat klar gemacht, dass das dem Redaktionsgeheimnis unterliegt… Da hat sich gezeigt, dass die Justiz stark genug ist.“ 

In der Frage der Pressefreiheit ortete der Falter-Chef Solidarität zwischen verschiedenen Medienhäusern. Dennoch fordert er einen kritischeren Umgang untereinander: „Es herrscht ein enger Konsens, dass die Pressefreiheit für alle gilt. Aber wir sollten uns untereinander für Artikel oder Recherchemethoden kritisieren. So wie wir mit anderen Mächtigen kritisch umgehen, sollten wir auch miteinander kritisch umgehen.“

Zusammenarbeit und Finanzierung

Den internationalen Trend, dass Redaktionen vermehrt gemeinsam recherchieren, sah Klenk positiv: „Zusammenarbeit ist wichtig. Es ist wichtig, dass wir voneinander lernen.“ Um tiefgehende Recherche auch in Zukunft garantieren zu können, sei vor allem Geld wichtig. Es brauche finanzielle Ressourcen, zahlende LeserInnen und InserentInnen. Zudem brauche es auch Führungsfiguren, die investigative Recherche gezielt verfolgten.  

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on TumblrEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.