ChefredakteurInnen in Lech: Reißt der sozialdemokratische rote Faden?

Die „Runde der ChefredakteurInnen“ von ORF III diskutierte diesen Donnerstagabend zur Abwechslung im Schatten des Arlbergs im Hotel Aurelio. Spontanthema: Der mögliche Rücktritt von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner.

Von Julia Pabst, Theresa Kleinheinz und Viktoria Gstir

Um 21:05 Uhr versammelten sich Rainer Nowak (CR Die Presse), Paul Ronzheimer (stv. CR Bildzeitung), Gerold Riedmann (CR Vorarlberger Nachrichten), Eva Linsinger (Leiterin Innenpolitik Profil) und Petra Stuiber (stv. CR Der Standard) zur Live-Sendung am runden Tisch von Ingrid Thurnher. Die Sendung fand nicht wie gewohnt im Wiener Ringturm statt, sondern im Rahmen des Mediengipfels bei Kaminfeuer in der gemütlichen Stube des hochnoblen Hotels Aurelio in Lech (Vorarlberg). 

Führungsfrage bei der SPÖ 

Im Zentrum stand die Debatte um den möglichen Rücktritt der SPÖ-Bundesparteivorsitzenden Pamela Rendi-Wagner. Nachdem am Donnerstag-Nachmittag Gerüchte über ihren Rücktritt verdichtet hatten, wurde auch in Lech hitzig darüber diskutiert. „Man muss sich schon auch selber bemühen, dass man keine Fehler macht“, sagte Petra Stuiber vom Standard. „Das war in letzter Zeit nicht so. Das kann schnell eine Eigendynamik bekommen: Auch wenn es keinen Alternativkandidaten für die Führungsspitze gibt.“ 

Rendi-Wagners Vorgänger Christian Kern war am Mediengipfel zu Gast. Er wurde von den GipfelteilnehmerInnen nahezu bedrängt. Über 20 Interviewanfragen hätte er an diesem Tag abgewiesen, sagte er im Podiumsgespräch mit Hans-Peter Siebenhaar, Chef des Verbands der Auslandspresse. Kern selbst hatte sich zuvor mit einem offenen Brief auf Facebook zur aktuellen Krise der Sozialdemokratie in Österreich geäußert. Einen Rücktritt Rendi-Wagners hielt er am Donnerstag für unwahrscheinlich. 

Zuletzt gab es auch Kritik an der SPÖ wegen der angekündigten Entlassungen von 27 Mitarbeitern per E-Mail. „Dümmer geht es nicht. Dass eine Partei mit so großen finanziellen Problemen Mitarbeiter entlässt, ist eigentlich logisch. Die Art und Weise geht aber natürlich nicht“, kommentierte Presse-Chefredakteur Rainer Nowak. VN-Chefredakteur Gerold Riedmann ergänzte: „Die Kündigungen per Mail regt die Menschen wahnsinnig auf. Das ist so etwas wie die Prada Handtasche der SPÖ.“

Straches Wiederauferstehung 

Aber nicht nur die SPÖ sorgte für Gesprächsstoff, auch die aktuellen Geschehnisse rund um Ex-FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache erregten die Gemüter. Der drohende Parteiausschluss Straches und dessen mögliche Kandidatur bei der nächsten Wien-Wahl mit einer eigenen Liste, wurden diskutiert. „Der hat schon einen Fanclub in Wien. Er hat einen hohen Bekanntheitsgrad. Das fürchtet die Wiener Partei“, meinte Eva Linsinger vom Profil.

Türkis-Grün: Fix oder nix? 

Paul Ronzheimer, stv. Chefredakteur der deutschen Bild Zeitung, war sich sicher: Türkis-Grün würde in Österreich zustande kommen. „Sebastian Kurz kann ein Vorbild sein, weil Schwarz-Grün in Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit auch kommen wird“, prognostizierte er.

Seine österreichischen KollegInnen wollten noch keine „fixe Hochzeit“ prognostizieren. Es existierten zwar nicht wirklich realistische Alternativen, allerdings sei die Schnittmenge zwischen Türkis und Grün gering. In Sozial-, Wirtschafts- und Migrationspolitik gäbe es große Gräben, war sich die heimische Chefredaktions-Runde einig. 

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