Videodreh unter Gamshörnern und Ziegengemälden

Ein Blick hinter die Kulissen: Mediengipfel 2018 Tag 2

Eindrücke von Maria Retter und Olivia Isser

Nicht gerade schwungvoll, dafür um einiges routinierter sind wir in den zweiten Tag des Mediengipfels gestartet. Wir sind heute das Flying Videoteam. Das klingt nach Stunt – und ist es in einer gewissen Weise auch.  

Die erste (nächtliche) Produktion hat ihre Spuren hinterlassen: Für das Frühstück nehmen wir uns heute nicht viel Zeit. Jede Minute Schlaf zählt! Schlurfend und mit leichten Augenringen erscheinen die ersten tapferen TeilnehmerInnen morgens um halb neun Uhr in der Hotellobby. Drei Kannen Kaffee später beginnt die morgendliche Redaktionssitzung mit einem kurzen Feedback. Dann wird der heutige Tag besprochen. Chaotisch ist es heute nicht mehr, jede/r scheint zu wissen, was ansteht.

Viele TeilnehmerInnen des Mediengipfels dürften unsere Schlaflosigkeit teilen – während der Keynote von Peter Kropsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Presseagentur, ist der Saal erst spärlich besetzt. Kropsch spricht über die Rolle nationaler Nachrichtenagenturen, über Fake News und Public Value. Und er spricht und spricht und spricht… Mit einer halben Stunde Verzögerung beginnt mit dem APA Medienforum der nächste Vortrag. Diesmal geht um Daten in den Medien, Roboterjournalismus und digitale Strategien. Langsam füllen sich die Reihen.

Doch wir sitzen nicht unter den Zuschauern, sondern mit Kropsch in einer ruhigen Stube, unter Gamshörnern und Ziegengemälden, neben uns ein Kachelofen. Kropsch spricht weiter, diesmal vor laufender Kamera. Langsam wird uns bewusst, dass sein Vortrag wohl für heute auch unser letzter war. Denn als Flying Videoteam arbeiten wir zeitverzögert: Während der Großteil den Referenten lauscht, schneiden wir die Kurzinterviews, die wir jeweils im Anschluss an die Veranstaltung aufzeichnen und später dann auf diversen Social-Media-Kanälen und auch auf diesem Blog veröffentlichen.

Dem wäre wohl so, hätten wir nicht mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Schnitt ist meist schnell erledigt, doch das Hochladen strapaziert gleichermaßen Nerven und das Hotel WLAN. Um die Moral nicht zu verlieren, loben wir uns für Kleinigkeiten zwischendurch selbst. Olivia, nachdem ein 45-sekündiges Video nach 45 Minuten Wartezeit endlich auf YouTube erscheint: „Jetzt fühle ich mich wie ein Genie.“. Mittlerweile sitzen wir alleine im stickigen Newsroom, denn die anderen lassen sich das Gespräch zwischen Kai Diekmann, dem ehemaligen Herausgeber und Chefredakteur der BILD Zeitung, und Florian Klenk, dem Chefredakteur beim Falter und Investigativjournalist, nicht entgehen. Wir arbeiten stoisch weiter und verpassen einige amüsante Anekdoten. Zumindest lassen sich die beiden im Anschluss zum exklusiven Kurzinterview überreden.

Laut Plan steht bereits das Mittagessen an. Magenknurren, doch die Arbeit ruft. Diekmann nimmt unter dem Ziegengemälde Platz, zückt sein Handy und zeigt uns seine Hausziege, die in Slow-Motion über Hindernisse springt.

Das Eis ist gebrochen. Das scheint erstaunlicherweise auch zwischen den beiden Medienmachern komplett unterschiedlicher Gesinnung der Fall zu sein. Überraschend respektvoll gehen die beiden miteinander um und diskutieren über ernste Themen stets mit einem Augenzwinkern: „Welche Art von Journalismus hat angesichts aktueller Trends und digitaler Innovationen Zukunft?“, fragt unser Kollege Patrik. „Ja unserer natürlich!“, kommt es von beiden gleichzeitig wie aus der Pistole geschossen.

Der Nachmittag beginnt mit einem Kamingespräch unter der Leitung des Verhaltensökonomen Matthias Sutter vom Max-Planck-Institut in München. Die TeilnehmerInnen des Europäischen Stipendienprogramms haben die Gelegenheit, Fragen zu stellen. „Endlich!“, meint eine Südtiroler Politikstudentin, „bisher sind wir unsere Fragen noch nicht losgeworden.“.

Wenig später haben wir im Stübchen wieder Stellung bezogen. Ein schlecht gelaunter Robert Menasse nimmt Platz. Ähnlich bockig wie die Hornträger, mit denen wir uns die Stube teilen, beantwortet er Fragen zu einem Europa der Regionen, über Nationalismus sowie zur Trias Freiheit, Solidarität und Gleichheit.

Unter tänzelnden Schneeflocken machen wir uns im Bus auf den Weg in den Grenzort Sankt Christoph, wo die abendlichen Veranstaltungen stattfinden. Die Atmosphäre ist gehoben, der Chauffeur hilft den Damen beim Ein- und Aussteigen aus dem Bus. Keine Rolle spielt dabei das Schuhwerk. Von Stilettos bis gefütterten Winterstiefeln ist alles dabei.

Im Vorbeigehen schnappen wir uns ein Glas Sekt vom Aperitif und verschwinden geschwind im improvisierten Newsroom. Noch immer müssen zahlreiche Minuten Videomaterial gesichtet, geschnitten und verarbeitet werden.

Nebenan spricht die Tiroler Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann über regionale Vielfalt, nationale Egoismen und europäischer Einheit. Anschließend diskutieren die Landeshauptmänner Markus Wallner aus Vorarlberg und Arno Kompatscher aus Südtirol über ein Europa der Regionen. Dann ist Menasse an der Reihe und spricht über seine Ansichten zur Lage Europas.

Nun ist es kurz vor acht. Der Feierabend ist noch in weiter Ferne, doch wir kommen hier zum Ende. Denn den nächsten und letzten Vortrag des heutigen Tages wollen und werden wir in Echtzeit mitverfolgen.

 

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