Die neue Weltordnung: Europa ist gefordert

Die von den USA bestimmte Weltordnung zerbricht – Dies stärkt Asien und stellt Europa vor große Herausforderungen – Diskussionsabend beim Mediengipfel Lech

Von Muriel Lerch und Salomé Wohlhauser

Wer bestimmt die neue Weltordnung? Die USA galten bisher als Hüterin der liberalen Welt, doch heute werden sie dieser Aufgabe immer weniger gerecht. Ihre Interessen dienen kaum mehr einem globalen Publikum, sondern richten sich nach innen. Präsident Trump betont das mit seinem Ansatz America first immer wieder. Kann man noch dauerhaft mit den USA rechnen, wenn man von der neuen Weltordnung spricht?

Trump ist nicht das Problem

Der Mediengipfel 2017 debattierte am Freitagabend in St. Christoph über die neue “Welt(un)ordnung.” Josef Braml, deutscher Politikwissenschaftler, sieht Trump als Treiber hin in gefährliche Strukturen und macht ihn mitverantwortlich für die Weltunordnung: Noch nie habe es eine Situation gegeben, in dem ein nationalistischer Demagoge Präsident in den USA geworden sei. Die bisherige Weltordnung werde dadurch angegriffen, dass die USA Europa nicht mehr als Verbündeten, sondern als Rivalen betrachten. Tyson Barker, Program Director and Fellow bei The Aspen Institute Deutschland,  betont dagegen: “Trump ist nicht das Problem. Er ist Symptom des Problems.”

Während die USA schwächelt, gewinnt auf der anderen Seite des Globus Asien und vor allem China an Stärke. Deshalb meint Raimund Löw vom ORF, dass “asiatische Gesellschaften gar nicht so traurig über die neue Ordnung sind, wo die Weltherrschaft nicht mehr bei der USA liegt.“ China entwickle sich zu einer politischen und wirtschaftlichen Weltmacht.

 Eigene Kompetenzen ausspielen

 Wie aber reagiert Europa auf diese Herausforderung. Für Raimund Löw ist klar: “Europa ist unfähig, sich zusammenzuschliessen, um zu einem internationalen Faktor zu werden. Obwohl das sehr wichtig wäre.” Differenzierter argumentiert die Vertreterin der Mercator-Stiftung, Verena Ringler. Sie hält Europa für derzeit überfordert, auf die Avancen Chinas, einen neuen Multilateralismus zu definieren, zu reagieren – auch, weil sich Europa zu lange auf die Ordnungsmacht USA verlassen hat. Sie plädiert dafür, die Stärken des Kontinents – etwa die Kompetenz, Krisen mit friedlichen Mitteln zu lösen – vermehrt auszuspielen und in die Diskussion über die globale Ordnung einzubringen.

 

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