„Europa ist meine friedliche Heimat“

Wo steht Europa und wo entwickelt es sich hin? Drei junge Menschen sprechen über die EU und ihre Zukunft.

Von Benedikt Mair

Lech – Seit zehn Jahren treffen hochrangige Politiker und etablierte Journalisten in Lech zusammen, um beim Mediengipfel über die Probleme und Lösungen zu diskutieren, die Europa und die Welt bewegen. Um nicht nur den alten, erfahrenen Medien-und Polithasen das Wort zu überlassen, gibt es seit fünf Jahren ein Stipendienprogramm des Europäischen Parlaments. Es ermöglicht jungen, politisch interessierten Studenten, beim Gipfel in Lech teilzunehmen, mitzureden und mitzudenken. Ihnen gehört schließlich die europäische Zukunft.

Eine dieser Stipendiaten ist Stefanie Achammer aus Hall in Tirol. Die 21-Jährige studiert Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck und zeichnet ein düsteres Bild vom Weg, den Europa derzeit einschlägt: „Die Europäische Union entwickelt sich in eine Richtung, die nicht gut ist.“ Spätestens seit dem Brexit steht für sie fest: „Das Projekt Europa ist ernsthaft in Gefahr.“ Verwunderlich sei es aber nicht, dass viele Menschen dem europäischen Staatenbund mit einer gewissen Skepsis gegenüberstehen, Populisten immer mehr an Boden gewinnen würden, denn „die Leute fühlen sich nicht verstanden und das muss sich wieder ändern“. Jeder für sich könne dazu beitragen, indem er hinausgeht, als überzeugter Europäer mit den Menschen spricht und sie von den Vorteilen der EU überzeuge.

Ähnlich sieht es Nils Ketterer, 28 Jahre alt und freiberuflicher Autor und Journalist. Es sei wichtig, die europäischen Werte weiterzugeben und weiterzuleben. „Ein vereintes Europa ist eine schöne Idee, voll mit Hoffnungen und Chancen.“ Für ihn ist die EU auch eine Notwendigkeit, denn wer glaube, dass ein einzelner, kleiner Staat in Zukunft bestehen könne, der würde sich irren. „Zusammenschließen ist immer besser als gegeneinanderzuarbeiten“, findet Ketterer.

„Europa ist meine friedliche Heimat“, sagt Julia Hahn, 23-jährige Jura-Studentin aus Wien. Und auch wenn diese im Moment zu zerbrechen droht, so habe doch jeder überzeugte Europäer selbst die Verantwortung zu tragen, dass diese seine Heimat nicht zerstört werde: „Bis jetzt haben sich Pro-Europäer darauf beschränkt, die EU schönzureden. Das muss sich ändern, wir müssen auch wieder kritisch hinterfragen. Nur dann können Fehler entdeckt, Probleme behoben werden.“

(Tiroler Tageszeitung vom 2. Dezember 2016, Seite 10)

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