Schelling: „Hofer wird sich wundern, was alles nicht geht“

Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling hält die Angst vor einem Wahlsieg Norbert Hofers für überzogen. Populisten würden sich langfristig an der Realität messen müssen.

von Andrea Vyslozil (Text), Marco Leuenberger, Christoph Wünscher (Video)

Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) sieht einem möglichen Wahlsieg Norbert Hofers (FPÖ) am kommenden Wahlsonntag gelassen entgegen. Das sagte er am Freitag in einem Interview mit der Medienakademie des Europäischen Mediengipfels Lech. Hofer hatte in der Vergangenheit angedeutet, er wolle die Regierung entlassen, sollte diese seinen Vorstellungen von Erfolg als Bundespräsident nicht nachkommen.

Worüber werden sich die Wähler also „wundern“, falls Hofer Präsident wird? Schelling: „Ich glaube, umgekehrt wird sich Hofer noch wundern, was alles nicht geht“. Das Amt des Bundespräsidenten sei ein repräsentatives. Die Aufregung, Hofer würde als Bundespräsident die Regierung abbestellen, hält Schelling für übertrieben.

Er gehe davon aus, dass die Regierung planmäßig bis Herbst 2018 weiterarbeiten werde. In österreichischen Medien war in letzter Zeit als Reaktion auf Uneinigkeiten in der Koalition immer wieder über vorgezogene Neuwahlen spekuliert worden. „Wir haben heute Regierungsheurigen, da wird die Reblaus gesungen und dann ist wieder alles gut“, sagte Schelling sichtlich genervt über die Gerüchte.

Populismus auf dem Prüfstand

Die mediale Debatte über eine gespaltene Gesellschaft hält Schelling für übertrieben. Die Symbolik der politischen Spaltung könne er nicht leiden: „Ich bin der Meinung, dass es auch nach der Wahl diesen Graben nicht geben wird.“ Fürchten müsse sich niemand aber „wir sind natürlich in einem Umbruch“. Wenn die Bevölkerung mit der Leistung der Regierenden unzufrieden ist, sei es legitim, auch einmal „jemand anderem“ eine Chance zu geben.

Populisten, wie der amerikanische Neopräsident Donald Trump würden sich auf Dauer seiner Meinung nach nicht durchsetzen können. „Beim Populismus müssen wir aufpassen, wo er eintritt. Angekündigt wird ja viel, realisiert wird dann wenig“, so Schelling gegenüber der Medienakademie.

Wer wird die österreichische Präsidentschaftswahl gewinnen? Er traue sich keine Prognose abzugeben, sagte Schelling: „Ich glaube, dass traut sich zur Zeit niemand.“ Die Umfragen seien sehr knapp, auch beim letzten Mal war es sehr knapp gewesen. Am Sonntag werden Zahlen nach Auszählungsstand bekanntgegeben werden. „Aber das endgültige Ergebnis werden wir wohl erst wissen, wenn wirklich alle Wahlkarten ausgezählt sind“, so Schelling.

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