Quo vadis, homo digitalis?

Dass die Digitalisierung unserer Gesellschaft voranschreitet, steht außer Frage. Doch wie gehen wir damit um? Die Teilnehmer des Europäischen Medienforums diskutieren über digitale Transparenz und die Zukunft des digitalen Menschen.

von Katharina Ramchen und Raffael Reithofer

Es gibt Veränderungen, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen. So wie Thomas Edison mit der Elektrifizierung die Tür zur modernen Welt aufgestoßen hat, so läutet laut Karin Frick die Digitalisierung eine neue Phase in der Weltgeschichte ein. Die Forschungsleiterin am Gottlieb Duttweiler Institut in Zürich stellt in ihrer Keynote über die Zukunft der vernetzten Gesellschaft fest: “So wie sich keine Gesellschaft von der Elektrizität abgekoppelt hat, ist auch die Digitalisierung nicht aufzuhalten.”

Big Mother statt Big Brother?

Frick betont dabei, dass digitale Dienste unser Leben erheblich vereinfachen können und in vielen Bereichen die Lebensqualität steigern. Das Navi im Auto, das Online-Lexikon und die Wetter-App am Handy führen uns durch den Alltag wie eine ‘digitale Mutter’. Deshalb sollten wir Google und Co. nicht nur als Datenkraken sehen, sondern uns auch den großen Nutzen dieser Dienste für unser alltägliches Leben bewusst machen. “Im Zentrum all dieser Anwendungen steht letztendlich der Mensch. Die Welt ist transparent, die Verdatung und Digitalisierung geht weiter – sich da zu verstecken, ist keine Option”, erklärt Frick.

Karin Frick, Forschungsleiterin am Gottlieb Duttweiler Institut in Zürich, während ihrer Präsentation. © Camilla Annabith
Karin Frick, Forschungsleiterin am Gottlieb Duttweiler Institut in Zürich, während ihrer Präsentation. © Camilla Annabith

Auch in der Medienbranche erleichtern neue Technologien die Arbeit. Der effektive Umgang mit diesen Diensten gehört laut Österreich-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar, der als „Medienkommissar” eine Kolumne im deutschen Handelsblatt schreibt, zum journalistischen Anforderungsprofil. Allerdings hält er auch ein gesundes Misstrauen für angebracht.

Daten sind nicht gleich Daten

Es macht in dieser Diskussion einen Unterschied, ob von privaten oder öffentlichen Nutzerdaten die Rede ist. Mit Daten, die der einzelne Nutzer in den sozialen Medien öffentlich preisgibt, sollten Unternehmen nicht handeln, findet Susanne Ostertag von Microsoft Österreich. Die Verwendung des “Digital Footprint”, also der öffentlichen Userdaten, sei aber durchaus zulässig.

Auch Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, versichert, mit Kundendaten  verantwortungsvoll umzugehen. Wir wollen Inhalte Zielgruppen-spezifisch anbieten, ohne Daten zu missbrauchen. Unsere Marke basiert ja auf Vertrauen.”

Claude Schmit, der Geschäftsführer von Super RTL, hält fest: Traditionelle Medien wie das Fernsehen müssten im digitalen Wandel mithalten, dennoch sei für ihn eine Verwertung der Nutzerdaten ein absolutes Tabu.

Wie geht man mit den Schattenseiten um?

Es stellt sich auch die Frage, ob man sich den Nachteilen der Digitalisierung entziehen kann, ohne als Einsiedler zu leben. Siebenhaar verneint: “Ich könnte mich auch in kein Auto setzen oder keinen Zug benützen. Aber letztendlich bin ich darauf angewiesen”. Schmit meint dazu: “Wer seine Daten nicht hergeben will, soll nach Nordkorea auswandern”.

Susanne Ostertag, Country Manager von Microsoft, spricht zum Publikum. © Camilla Annabith
Susanne Ostertag, Country Manager von Microsoft, spricht zum Publikum. © Camilla Annabith

Wie kann man als Privatperson trotzdem seine Internet-Daten sorgfältig verwalten? Für Karin Frick sei es eine Option, auf Open-Source-Angebote statt auf die Dienste der Internet-Giganten zu setzen. Ein weiterer Ansatz sei es, die digitale Kompetenz bereits im Kindesalter zu fördern, meint der Chef des deutschen Kindersenders.

Eine Publikums-Umfrage nach der Diskussion zeigt, dass das Misstrauen gegenüber der Digitalisierung gestiegen ist: Die Mehrheit ist besorgt: Wer speichert was und wann und wer hat dann dazu Zugang? Was passiert mit unseren Daten, wenn sie einmal im Netz sind? Nur wenige im Publikum, wie NEOS-Klubdirektor Stefan Egger, vertreten einen anderen Standpunkt: “Das Misstrauen gegenüber digitalen Neuerungen bringt uns nicht weiter.”

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