Welcher Ego-Typ sind Sie?

Egozentrischer Hosenscheißer oder Grünwähler mit Helfersyndrom? Bernhard Heinzlmaier hat in Lech seine sechs Sinustypen der heutigen Jugend vorgestellt. Welcher Ego-Typ sind Sie? Ein Psychotest mit einem Schuss Satire.

Von Katrin Nussmayr und Clemens Wolf

 

Anleitung

Im folgenden Abschnitt werden Sie mit sechs Fragen konfrontiert. Lesen Sie sich alle Antworten kurz durch und entscheiden Sie dann spontan, welche Antwort am ehesten auf Sie zutrifft. Greifen Sie dazu bitte zur nächstgelegen Tageszeitung und notieren Sie darauf ihre Antworten. Es gilt zu beweisen: Print ist nicht tot.

 

Test

1. Ein Freund möchte sich Ihr Fahrrad ausborgen. Wie reagieren Sie?

  1. Ich erstelle eine Pro- und Kontra-Liste. Schließlich muss ich mir eine so weitreichende Entscheidung gründlich überlegen.
  2. Natürlich bekommt er das Fahrrad, das gehört sich doch. Außerdem ist das viel umweltschonender als Autos und Busse.
  3. Er kann das Fahrrad so lange behalten, wie er will. Bei der nächsten Gelegenheit erinnert er sich sicher, dass er in meiner Schuld steht.
  4. Ich erzähle ihm stundenlang von der geilen Party gestern Abend. Nebenbei erwähne ich, dass das Fahrrad dabei leider im Pool gelandet ist.
  5. Ich versuche, einen lukrativen Deal auszuhandeln. Ein Abendessen ist mindestens drin.
  6. Mein Fahrrad brauch ich selbst. Ich will morgen noch die eingeschlagene Straßenlampe im Nachbarbezirk instagrammen.

 

2. Sie engagieren sich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Warum?

  1. Alle meine Vettern und Schwager, Brüder, Onkel und Ahnen waren schon dabei. Das gehört einfach dazu.
  2. Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben. Weil ich kein Blut sehen kann, bin ich bei der Feuerwehr.
  3. Es macht sich ganz gut im Lebenslauf. Dann glaubt wenigst jeder, ich hab ein soziales Gewissen.
  4. Ich liebe den Adrenalinkick beim Kranfahren. So lebendig fühlst du dich sonst nie.
  5. Bei der Feuerwehr kann ich allen beweisen, dass ich am weitesten spritzen kann. Schweres Gerät liegt mir einfach.
  6. Ich möchte eine Geodatenbank der Brände in unserer Stadt aufbauen. Außerdem lassen sich Feuer-Bilder super instagrammen.

 

3. Ihr Partner hat Sie verlassen. Wie gehen Sie damit um?

  1. Einmal besaufen, um drüber hinwegzukommen. Aber eigentlich ist’s doch eh positiv, meine Eltern waren sowieso dagegen.
  2. Einspruch, das heißt PartnerIn. Und was ist bitteschön mit alternativen Lebensformen, die mehrere PartnerInnen beinhalten?
  3. Ich gebe mich wochenlang leidend, so bekomme ich Aufmerksamkeit und alle kümmern sich um mich. Der Kühlschrank ist eh schon leer.
  4. Die Frauen-/Männerwelt jubelt: Das wird ein F… olksfest!
  5. Endlich kann ich die Fluktuationsrate in meinem Schlafzimmer wieder erhöhen. Im Ranking lieg ich eh schon hinter allen meinen Kumpels.
  6. Ich bin vorbereitet, schließlich sind meine Profile auf sämtlichen Partnerbörsen nur „ruhend“ gestellt. Inzwischen: Herzschmerz-Instagrams.

 

4. Sie bekommen eine Gehaltserhöhung, Ihr Kollege nicht. Was machen Sie?

  1. Das ist schon gerecht so. Immerhin hat er letzten Monat drei Mal das Licht brennen lassen und nicht über die Witze vom Chef gelacht.
  2. Das Geld kann ich nicht behalten. Ich werde es spenden. Am besten dem „Verein zur Eingliederung metrosexueller Igel in die Gesellschaft“, kurz EMSIG.
  3. Endlich hat sich das Arschkriechen beim Chef ausgezahlt. Mal schauen, wie viel ich dem Kollegen abgeben kann, damit er weiterhin mit mir Dienst tauscht.
  4. Halloooo Weltreise. Und tschü . . .
  5. Leistung wird belohnt. Was der Kollege denkt, ist mir doch egal: Bald steht die Beförderung ins Haus, dann wackelt sein Sessel sowieso als erster.
  6. 100 Euro mehr am Konto? Zeit fürs Spotify-Premium-Upgrade. Vorher muss ich aber noch meinen Gehaltszettel instagrammen.

 

5. Im Userforum unter Ihrem letzten Artikel gehen die Wogen hoch, 500 negative Kommentare in den letzten 45 Minuten. Ihre Reaktion?

  1. Die sind doch nicht vom Fach, die haben wohl nicht verstanden, was ich meine. Am besten Forum zudrehen.
  2. Das ist okay, wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Vielleicht sollte ich meinen Artikel noch einmal dahingehend überprüfen, ob auch alle Minderheitenmeinungen Raum bekommen haben.
  3. Ich lösche alle negativen Postings und rechtfertige mich in einem viel zu langen Kommentar. Dann gehe ich zum Chef und sage, dass ich die Situation im Griff habe.
  4. Ist doch geil, die Leute reden über mich. Eine Cremeschnitte auf meine Genialität.
  5. Jackpot! Ich hab die meisten Kommentare diese Woche bekommen.
  6. Ich werde alle Wortspender auf meine Plattform für „citizen journalism“ einladen. Unter meinen Artikel poste ich ein geinstagrammtes Foto von meinem Duckface.

 

6. Alle Journalisten sind schon in der „Twitterblase“. Und Sie?

  1. Ich mache nicht alles mit, was in diesem Internat passiert. Nur weil Armin Wolf zu viel Freizeit hat, heißt das nicht, dass jeder auf diesen Zug aufspringen muss.
  2. Bei Twitter bin ich längst angemeldet, immerhin gibt es dem Bürger ein Sprachrohr, das muss ich unterstützen.
  3. Wenn alle dort sind, muss ich auch mitmachen. Sogar der Michael Fleischhacker hat schon einen Account.
  4. Twitter? Sofort. In meinem Netzwerk sind schon Grumpy Cat, Werner Failmann und Eva Dichand.
  5. Ich versuche jeden Tag, meine Followerzahl zu maximieren. Alexandra Föderl-Schmid hab ich schon fast eingeholt. Und das ohne Hashtags.
  6. Twitter? Das ist so 2011. Ich bin momentan bei Circle, Path und Mein Online angemeldet. Und natürlich bei Instagram.

 

Auswertung

Vorwiegend Antwort A: der bürgerlich-konservative Typ
Sie sind der Hosenscheißer mit den weißen Feinripp-Unterhosen. Der, den früher alle für die Zahnspange und die Nickelbrille gehänselt haben. Was Mutti und Vati sagen, darauf haben Sie immer gehört – Gott sei Dank, sonst hätten Sie jetzt keinen Bausparvertrag.

Vorwiegend Antwort B: der postmaterielle Typ
Sie sind ein Gutmensch, der sich für emsige Bienen genauso einsetzt wie für die gendergerechte sprachliche Behandlung der transsexuellen Bevölkerung. Irgendwann werden Sie noch die Welt retten – wenn Sie sich nicht vorher mit ihren Fair-Trade-Sandalen die Füße wund gerieben haben.

Vorwiegend Antwort C: der adaptiv-pragmatische Typ
Sie sind das „Herzstück der Gesellschaft“, das meint zumindest Bernhard Heinzlmaier. Andere würden Sie wohl eher als „Egoschweinchen“ bezeichnen: Sie sind der, der bei der Pressekonferenz das letzte Brötchen nimmt und immer schaut, dass die Krawattenfarbe nicht zu sehr von der des Chefs abweicht.

Vorwiegend Antwort D: der Hedonist
Pressereise? Ja. Sonntagsdienst? Nein, danke. Sie sind Journalist geworden, weil Nikotin und Koffein in dieser Berufssparte keine Laster sind, sondern zum guten Ton gehören. Das Leben ist eine Party, Sie feiern sich selbst.

Vorwiegend Antwort E: der Performer
Sie wollen ganz nach oben und immer gewinnen. Als Teenager zählten Sie die Kerben in der Bettkante, jetzt sind Reichweiten, Auflagen und Follower das Maß des Erfolgs. Wer mit Ihnen nicht mithalten kann, ist einfach nicht gut genug.

Vorwiegend Antwort F: der digitale Individualist
Sie sind der Nerd, der die Ray Ban getragen hat, bevor sie cool war. Mit Ihrem Handy überschreiten Sie Monat für Monat das Datenvolumen – muss wohl an den vielen Instagrams liegen. Während die Kollegen aus der Printredaktion beim Anblick von Tortendiagrammen maximal Hunger bekommen, zaubern Sie schon Snowfall-Kaskaden und Fusion Tables ins CMS. Zuhause fühlen Sie sich überall, Hauptsache es gibt WLAN.

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