20. November 2019

Selbstkritischer Qualitätsjournalismus

In einer Umfrage unter 180 österreichischen Medienvertreterinnen und Medienvertretern im In- und Ausland wurde auch der Zustand des Qualitätsjournalismus thematisiert. Die Einschätzung der Befragten zeichnet ein eher negatives Bild, das in am Podium zu Bezahlmodellen im Journalismus Anstoß zur Diskussion lieferte.

Qualitätskriterien für Medien

„Der Qualitätsjournalismus im Land ist besser denn je. Aber schlecht noch allemal. Da ist noch viel Luft nach oben“, lautet ein Statement aus der Befragung. Und auch die restlichen Angaben deuten eher auf eine Krise des Qualitätsjournalismus in Österreich. So wird der politische Journalismus in Zeiten der Krise noch von der Hälfte der Befragten als relativ stabil bewertet, im Allgemeinen zeigen sich die Journalistinnen selbst jedoch kritisch gegenüber  ihrer eigenen Zunft: Drei Viertel der Befragten sehen die Wahrung der Rolle als Kontrollinstanz „mittelmäßig“ bis „gar nicht gut“ erfüllt. Wiederum nur ein Viertel gab an, generell zufrieden oder relativ zufrieden mit der Auslandsberichterstattung in Österreich zu sein.

Quelle: SOFFI Institut
Quelle: SOFFI Institut
Quelle: SOFFI Institut

Ausgehend von der gefühlt negativen Sicht auf den Journalismus plädierte Markus Spillmann, Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung, in der Diskussion für mehr Optimismus:  „Eine Krise hat einen Anfang und ein Ende.  Wir müssen als Journalisten endlich mal aufhören, uns selbst und unseren Journalismus in Frage zu stellen.“ Laut Spillmann müsse man vor allem in die Qualität investieren, um vor den Leserinnen zu argumentieren, warum Journalismus etwas kostet. Auch Daniela Kraus, Co-Herausgeberin und Co-Autorin der Studie Journalistenreport IV, wies darauf hin, dass man zwischen dem Geschäftsmodell des Journalismus und dem Journalismus an sich unterscheiden müsse: „Das Geschäftsmodell ist veraltet – nicht der Journalismus in der Krise.“

Rahmen- und Arbeitsbedingungen im (Qualitäts-)Journalismus

Quelle: SOFFI Institut

Die eigenen Arbeitsbedingungen als Journalistin oder Auslandskorrespondentin wurden von über 60 Prozent der Befragten als positiv bewertet. Die Rahmenbedingungen für den Qualitätsjournalismus sieht ein Großteil der Befragten jedoch in Gefahr. Lediglich acht Prozent gaben an, dass sich die Bedingungen aus ihrer Sicht in Zukunft verbessern werden.

Quelle: SOFFI Institut

Im Zuge der Diskussion wurde die Bedingungen für Qualitätsjournalismus vor allem an der wirtschaftlichen Unabhängigkeit eines Mediums festgemacht. „Ohne Geschäftsmodell kein Journalismus“, warf Michael Fleischhacker, freier Journalist und Autor des Buches „Die Zeitung. Ein Nachruf.“ in die Diskussion und bestätigte damit auch die Sicht von Josef Probst, ehemaliger Verlagsgeschäftsführer der Axel Springer AG. „Qualitätsjournalismus ist nur möglich, wenn er wirtschaftlich unabhängig ist“, so Probst. Markus Spillmann hingegen sieht den Journalismus lieber abgekoppelt vom wirtschaftlichen Erfolg bzw. Gewinnstreben und plädierte für ein Selbstverständnis, das mehr vom qualitativen Anspruch und der Wahrung der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft getrieben wird – unabhängig vom Trägermedium.

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