„Bezahlmodelle stecken in Österreich in den Kinderschuhen“

Josef Propst, ehemaliger Verlagsgeschäftsführer von Axel Springer, berät heute als Selbstständiger unterschiedliche Medienunternehmen. Im Interview spricht das Verlagsurgestein über die Zukunft des Geschäftsmodell Journalismus und die Nutzung der Printzeitung.

Von Sarah Koller,  Susanne Kraft und Katharina Lehner

propst

Lesen Sie jeden Tag eine Zeitung?

Ja, ich lese unterschiedliche Zeitungen – je nachdem, wo ich bin. Meine Lieblingszeitung ist aber das Handelsblatt, weil es meinen inneren Interessen sehr entgegen kommt und ich finde, es ist eine handwerklich exzellent gemachte Zeitung.

Wird es in Zukunft so sein, dass die Printzeitung nur noch am Wochenende erscheint und unter der Woche online konsumiert wird?

Wenn ich Hintergründe lesen möchte, ist die Zeitung natürlich angenehmer zu konsumieren. Für einen Großteil der Menschen ist Zeit ein knappes Gut geworden. Der Lebensrhythmus der Menschen hat sich geändert. In diesem Lebensrhythmus hat die gedruckte Zeitung immer weniger Platz. Deshalb werden On-Demand-Inhalte immer wichtiger. Dem müssen die Medienhäuser gerecht werden.

Sind Medienmanager zu wenig innovativ bzw. haben sie Angst vorm Scheitern, wenn es um die Einführung neuer Modelle geht?

Diese Kritik ist zum Teil berechtigt. Umgekehrt ist es aber auch eine Unterstellung. Der Medienmanager fühlt sich verantwortlich für das wirtschaftliche Gedeihen des Verlages und muss Risiken und Chancen abwiegen. Außerdem darf man nicht auf Konsumenten vergessen, die das Gedruckte wollen. Das Geschäftsmodell Tageszeitung ist ja bislang ein funktionierendes. Die Erlösströme werden aber ins Internet abwandern. Die Frage ist, wie die Verlage mit den schrumpfenden Erlösströmen umgehen werden und ob und wie es ihnen gelingen wird, neue Erlöse zu generieren.

Was halten Sie generell davon, Paywalls einzuführen?

Bezahlmodelle stecken in Österreich noch in den Kinderschuhen. Im deutschsprachigen Raum gibt es bis auf wenige Ausnahmen keine Plattformen, die mit ihren journalistischen Inhalten online Geld verdienen. Regionale Medien sind davon sowieso weit entfernt. Das Problem ist, dass Informationen besonders bei der jungen Bevölkerung oft nicht die Begehrlichkeit erwecken, die notwendig wäre, um Inhalte kostenpflichtig zu machen. Und solange es Inhalte gibt, die frei zugänglich sind, wird das Bezahlmodell nicht funktionieren.

Können nationale Paywalls wie in Tschechien auch in Österreich funktionieren?

Tschechien ist ein kleiner Markt und eine Sprachinsel. Wenn man Inhalte markenübergreifend nutzen kann, scheint die Bereitschaft der Bezahlung zu bestehen. Man muss natürlich alle Funktionalitäten bereitstellen, also dass man die einzelnen Marken, aber auch Themen in unterschiedlichen Marken nutzen kann. Die Usability für den Nutzer muss in den Vordergrund gestellt werden. 

Wer soll denn neue Geschäftsmodelle entwickeln? Verleger oder Journalisten?

Es ist eine Utopie, dass einer allein ein Geschäftsmodell entwickelt. Das geht nur im Team. Oft ist es einfacher, etwas Neues hineinzubringen, als alte funktionierende Strukturen zu verändern. Wenn etwas über Jahrzehnte funktioniert hat, ist es natürlich frustrierend zu sehen: das geht nicht mehr.

Trotz all der Schwierigkeiten – ist es nicht spannend in einer solchen Umbruchsphase als Entscheidungsträger tätig zu sein?

Absolut. Für die Führungskräfte auf jeden Fall. Es ist aber natürlich auch frustrierend, ob für Journalisten oder sonstige Mitarbeiter, wenn jedes Jahr drei oder vier Prozent weniger in der Kasse landen.

Sie sind jetzt als Berater tätig. Was machen Sie genau?

Ich beschäftige mich stark mit Neuausrichtungen im Verlagsbereich. Dabei geht es vor allem um Restrukturierungen und das Einführen von neuartigen Prozessen, um ökonomischer zu arbeiten.

Was war für Sie die Motivation von einer Führungsposition in die Beraterposition zu wechseln?

Ich habe mich ganz einfach zu jung gefühlt, nichts mehr zu machen, aber zu alt, um weiterhin in der täglichen Mühle zu stehen, in der ich mich jahrzehntelang gedreht habe.

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