Can Dündar: "Ich sitze hier und schreie"

Was für ihn Wahrheit ist, ist für die Regierung der Türkei eine Gefahr. Journalist Can Dündar ruft zu internationaler Solidarität für Pressefreiheit auf.

Schritt für Schritt hätte die rechtspopulistische AKP unter Präsident Recep Tayyip Erdogan in den vergangenen zehn Jahren türkische Medien aufgekauft oder verboten. Gesetze wurden geändert und Journalist:innen ins Gefängnis gesteckt, erinnert der Journalist, Buchautor und Dokumentarfilmer. Diese Krankheit – wie Can Dündar den Angriff auf die Pressefreiheit beschreibt – stehe auch vor Europas Toren. Angriffe auf kritischen Journalismus seien längst ein globales Problem geworden. „Ich versuche zu schreien: Seid vorsichtig und verteidigt eure Demokratie! Sonst ist sie eines Morgens einfach verschwunden.“ Wie schnell das gehen kann, habe sich in der Türkei gezeigt. Er selbst wurde zwei Mal angeschossen und lebt heute in Deutschland, weil bei einer Rückkehr in die Türkei 27 Jahre Gefängnis auf ihn warten. 

Der Druck auch auf die Zivilgesellschaft in der Türkei sei groß, es seien nur noch Einzelne, die sich noch trauten, offen Kritik zu äußern. Viele von ihnen könne er „nur im Gefängnis oder auf Friedhöfen“ besuchen. Alle hoffnungsvollen Kandidat:innen für eine demokratische Politik würden aus dem Weg geräumt. Es gebe keine Zivilgesellschaft mehr, kein Parlament, keine Medien und kein juristisches System, die für Einzelne einstehen. Das sei allerdings kein lokales, sondern ein globales Thema.

Deshalb sieht der ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet heute nicht mehr Talent oder Ehrgeiz als wichtigste Voraussetzungen für angehende Journalist:innen, sondern Mut. Der sei nötig, um die Aufgabe des Journalismus als vierte Gewalt in einer Demokratie zu erfüllen.

Redaktion: Leonie Schiessendoppler
Kategorie: Interview
Datum: 02.12.2023

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